Die seit dem Verfall der Römerstraße schwer passierbare Schlucht im Unteren Eisacktal zwang hier den Nord-Süd-Verkehr bis ins späte Mittelalter über den Höhenrücken des Ritten. Im September 1314 belehnte Herzog Heinrich von Kärnten den wohl aus dem herrschaftsnahen Bozner Aufsteigermilieu entstammenden Heinrich Kunter, dessen Frau Katharina und ihre Erben mit dem neu angelegten Saumweg zwischen Bozen und Kollmann, mit der Auflage der Wegerhaltung. Im Gegenzug sollten die Eheleute den dazu gehörenden Zoll einnehmen und an der im Wesentlichen siedlungslosen Wegstrecke zwei Tavernen betreiben dürfen.
Mit der Urkunde von 1314 wurden auch im Detail vorgeschriebene, zunächst nur für die Dauer von zehn Jahren gewährte, nach Warengruppen gestaffelte Weggeldtarife erlassen. Dabei umfasste das Warenspektrum zwar die für den Fernhandel relevanten Effekten Wein, Öl, Salz und Pferde, die Urkunde hob ansonsten aber vor allem auf Bedürfnisse des regionalen und lokalen Warenaustauschs ab; die ebenfalls über Tirol gehandelten „Marker“ für den Fernhandel, also Tuche, edle Stoffe, Pelze, Leder und Gewürze fehlen bezeichnenderweise.
Nach dem frühen Tod Kunters (1317) blieb seine Witwe Inhaberin der nun als Kuntersweg bezeichneten Altstraße. 1328 wurde dem Saumweg zwar das Recht ainer gemainen lantstrazze zugestanden, die Transportkapazität blieb aber beschränkt. Die reliefbedingte Anfälligkeit für Elementarereignisse, die stagnierende „private“ Kapitalbasis für die Instandhaltung, aber letztlich auch die noch begrenzte Bedeutung der Bozner Märkte waren Faktoren für eine zunächst allenfalls verhaltene Entwicklung. Erst die anziehende Konjunktur in den siebziger und achtziger Jahren des 15. Jahrhunderts veranlassten den Landesfürsten zum direkten Zugriff auf den Kuntersweg und unter Einsatz von Schwarzpulver zu dessen Ausbau zu einer zeitgemäßen, wagengerechten Fahrstraße, die die Route durch das Untere Eisacktal zum wichtigsten Zubringer des Brenners machen sollte.
Gustav Pfeifer, Südtiroler Landesarchiv
Archivale: Südtiroler Landesarchiv, Urkundensammlung Staffler, Urkunde 65 [olim v24], 1314 September 22
Literatur: Gustav Pfeifer, Spätmittelalterlicher Verkehrswegebau in den Südalpen. Der Kuntersweg im unteren Eisacktal, in: Verkehr und Unterwegssein in der Vormoderne, hrsg. von Gustav Pfeifer und Kurt Andermann (Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs / Pubblicazioni dell’Archivio provinciale di Bolzano 52), Innsbruck 2024, S. 149–177.