Bei dem vorliegenden Stück handelt es sich um einen Stundenpass mit dem Postboten Ort und Zeit der Übernahme und Weitergabe von Sendungen beurkundeten. Hierfür verwendete man halbe oder ganze Papierbögen, die an der Spitze einen Vermerk des zuständigen Beamten oder Postmeisters trugen. Im abgebildeten Beispiel geht es um einen Postversand von Mailand nach Worms im Zeitraum vom 8. bis zum 15. November 1495. Die Postreiter ergänzten ihre Angaben meist eigenhändig, indem sie die Annahme und teils auch die Abgabe der Post festhielten. Dieses Blatt begleitete die Sendung über die gesamte Strecke und wanderte von Reiter zu Reiter. Dabei wurde es vielfach gefaltet und war durch die Beanspruchung am Ende oft stark abgegriffen. Nach Abschluss seines Zwecks wurde ein solcher Pass gewöhnlich weggeworfen, weshalb es als besonderer Zufall gilt, dass einige Exemplare bis in unsere Zeit erhalten geblieben sind. Besonders beachtenswert sind die aufgezeichneten Galgen, die auf eine besondere Dringlichkeit hinweisen und dem jeweiligen Reiter die Konsequenzen für allfällige Nachlässigkeiten bildlich vor Augen führten.
Für die historische Forschung besitzen diese Poststundenpässe großen Wert, da sie ein anschauliches Bild von der Geschwindigkeit der Nachrichtenübermittlung in früheren Jahrhunderten vermitteln. Sie enthalten präzise Zeitangaben für einzelne Strecken in sehr unterschiedlichen Regionen und erlauben Rückschlüsse auf die Leistungsfähigkeit des damaligen Kurierwesens. Da sich die Straßenverhältnisse um 1500 und in den folgenden Jahrhunderten kaum unterschieden, eignen sich diese Dokumente auch als Maßstab für die Beurteilung der realistischen Schnelligkeit historischer Reisen und Nachrichtenverbreitung.
Nadja Krajicek-Seidl, Tiroler Landesarchiv


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