Die Rückkehr des Steinbocks
Archivale des Monats September
Staatsarchiv Graubünden

Mitte des 17. Jahrhunderts war der Steinbock im Gebiet der Drei Bünde ausgerottet, trotz strikten Jagdverbots. Anfang des 19. Jahrhunderts fiel schliesslich im Wallis der letzte Steinbock der Schweiz. Dass unser stolzes Wappentier den Weg zurückgefunden hat, verdanken wir dem beherzten Eingreifen des St.Galler Hoteliers Robert Mader, der Anfang des 20. Jahrhunderts dem italienischen Wilderer Joseph Berard viel Geld bezahlte, um dem italienischen König Viktor Emanuel III. aus seinem Jagdgebiet im Aostatal Steinbock-Kitze zu stibitzen. Diese wurden im St.Galler Wildpark Peter und Paul aufgezogen, wo in der Folge eine Aufzucht begann, um die Tiere anschliessend auszuwildern.

Die beiden Bündner Felix Calonder (1863–1952), Vorsteher des Eidgenössischen Departements des Innern, und Johann Wilhelm Fortunat Coaz (1822–1918), erster eidgenössischer Oberforstinspektor, unterstützten tatkräftig die Wiederansiedlung der Steinböcke in Graubünden. So kam es, dass der Bund 1914 Steinwild erwarb und die kantonale Behörde um die Aussetzung der Tiere in Uglix, im heutigen Parc Ela, ersuchte. Wie das Amtsblatt des Kantons Graubünden in seiner Ausgabe vom 10. Juli 1914 berichtete, wurden im Juni 1914 zwei Böcke und zwei Geissen ausgewildert: „Die Tiere befinden sich zurzeit in voller Freiheit. Dieselben werden dem Schutze der einheimischen Bevölkerung, so wie auch den Touristen emp-fohlen.“ Ferner wies die Mitteilung darauf hin, dass jede Erlegung und Gefährdung des Steinwilds bei hoher Busse verboten ist. Als Schadensersatz für ein Stück Steinwild galt ein Ansatz von 2.500 Schweizer Franken. Zudem müssten, so eine interne Anweisung an den zuständigen Wildhüter, Hunde im Bannbezirk „abgeschossen werden“.

Es galt ernst, das Projekt genoss Rückhalt in der Politik. Trotzdem war die Rückkehr des Steinbocks in die Bündner Alpen buchstäblich „steinig“: Freiwillige Träger trugen im Juni 1914 vier Holzkisten über Stock und Stein hoch zum Piz Ela, wo die Tiere in die Freiheit entlassen wurden.

Graziella Borrelli, Staatsarchiv Graubünden


Archivale: Staatsarchiv Graubünden: X 8n 4.

Bildnachweise: Staatsarchiv Graubünden: FR XXXI-D.VII.281; Staatsarchiv Graubünden: Bibliothek GAB 1914.