Exportschlager: Saiblinge aus dem Königssee
Archivale des Monats Oktober
Staatliche Archive Bayerns

Neben Salz und Holzhandwerk war Fisch ein Exportschlager der Fürst propstei Berchtesgaden. Die Fürstpropstei war ein kleines, reichsunmittelbares geistliches Fürstentum, gelegen zwischen Untersberg, Watzmann und Reiteralpe und ständig in Gefahr, zwischen seinen mächtigen Nachbarn Salzburg und Bayern zerrieben zu werden. Neben den Produkten bäuerlicher Wirtschaft diente Fisch der Versorgung der klösterlichen Gemeinschaft der Augustinerchorherren. Besonders beliebt war der aus dem Königssee stammende Seesaibling: 2.000 Stück sollte der Fischmeister von St. Bartholomä jährlich an den Berchtesgadener Hof liefern.

Der Seesaibling (Salvelinus umbla) ist ein seit dem Ende der letzten Eiszeit in den Seen der nördlichen Alpen heimischer Fisch. Durch die Isolierung der Populationen bildeten sich standortabhängige Sonderformen aus. So ist der im Königssee vorkommende Schwarzreuther oder Schwarzreiter eine Kümmerform des Seesaiblings, die maximal Längen von 25 cm erreicht.

Seit 1156 übten die Berchtesgadener Chorherren aufgrund einer verunechteten Urkunde Kaiser Friedrichs I. exklusiv die Fischerei im Land aus. Der damit in gewisser Weise kaiserliche Saibling erfreute sich vor allem geräuchert größter Beliebtheit und fand seinen Weg auf die fürstlichen Tafeln. Das dürfte er auch dem Umstand verdanken, dass von 1594 bis 1723 Prinzen des Hauses Bayern über die Fürstpropstei und ihre natürlichen Ressourcen herrschten.

Der Wittelsbacher Joseph Clemens, Fürstpropst von Berchtesgaden, aber auch Inhaber weiterer kirchlicher Würden, zog es vor, Berchtesgaden weitgehend fernzubleiben. Den Fisch ließ er sich jedoch gerne hinterherschicken: 1692 gingen über 1.000 Stück Saibling an den churcöllnischen hof nacher Freysing. Auch die kurfürstlichen Verwandten wurden reichlich versorgt. Eine Liste von 1722 über die nach München gelieferten Verehrfische – also Geschenke im diplomatischen bzw. zeremoniellen Verkehr – verzeichnet die stolze Summe von 1.660 lebendigen und 1.116 geräucherten Saiblingen.

Andreas Schmidt, Bayerisches Hauptstaatsarchiv


Archivale: Bayerisches Hauptstaatsarchiv: Fürstpropstei Berchtesgaden Urkunden 9.

Weitere Quellen: Bayerisches Hauptstaatsarchiv: Fürstpropstei Berchtesgaden Regierung vorl. Nr. 719.

Bildnachweis: Bloch, Marcus Elieser et al.: D. Marcus Elieser Bloch’s, ausübenden Arztes zu Berlin […] Oeconomische Naturgeschichte der Fische Deutschlands. Mit […] Kupfertafeln nach Originalen, Bd. 1, Berlin 1782, Tafel 104.